Bootsbau-Historie

Boote – eine Familientradition 

Die Idee des Bootsverleihs am Main-Turm ist nicht allein der idealen Lage am Mainufer geschuldet, sondern damit lebt auch eine mittlerweile über 100-jährige Familientradition wieder auf.

Den Anfang machte Georg Lösel, Bootsbaumeister aus dem fränkischen Erlangen, der im Jahr 1907 nach Offenbach am Main übersiedelte. In der Bildstockstraße 1 im Stadtteil Bürgel, in unmittelbarer Nähe zum Main, erwarb er das Boots- und Geschäftshaus des Offenbacher Ruderclubs v. 1883, um in dem Gebäude seinen Bootsbaubetrieb zu eröffnen.

 

1919 wurde das Unternehmen um die heute noch dort existierende Schreinerei und ab 1921 um einen Bootsverleih erweitert. 1926 gründete Georg Lösel mit 23 Ruderkameraden den Wassersportverein Offenbach-Bürgel im Erdgeschoss seines Hauses. In den Räumlichkeiten wurde ab 1929 auch der Schankbetrieb der Bootshaus-Gaststätte wieder aufgenommen.

 

Führte der Main Hochwasser, war das Gebäude nur per Boot erreichbar, da der Bürgeler  Hochwasser-Damm erst 1925 fertiggestellt wurde. Das historische Gebäude wurde 1944 bei einem Luftangriff ausgebombt. Während der Besatzungszeit fertigte und reparierte man Pontons für die US-Armee, welche als provisorische Main-Brücken zum Einsatz kamen.

 

1946 verstarb Georg Lösel. Nun führte seine Frau Magarete mit ihrem Sohn Willi, ebenfalls Bootsbaumeister, im 1949 neu errichteten Wohn- und Geschäftshaus das Familienunternehmen weiter. An das alte Bootshaus erinnert noch heute der markante Eingangsbereich aus schwarzem Stein, der den 2. Weltkrieg überstand.

 

Der Betrieb wurde um ein Fachgeschäft für Sportartikel erweitert, auch der Bootsverleih für Rudernachen wurde weiter betrieben. Parallel dazu unterhielt sein Schwager in Höhe des heutigen Offenbacher Mainparkplatzes ein Restaurant-Schiff mit Tretboot-Verleih. Auch bundesweit machte sich Willi Lösel als stellv. Innungsmeister der deutschen Bootsbauer einen Namen.

 

Nach dem frühen Tod von Willi Lösel 1971, führte seine Frau Gisela die Geschäfte weiter. Sein unvollendetes Lebenswerk, den Bau eines Kajütboots, stellte sein Sohn Rainer fertig. 1983 übernahm Rainer Lösel als Schreinermeister in dritter Generation das Familienunternehmen, in welchem er bereits seit 1972 tätig war.

 

Im Jahr 2009 erweiterte Rainer Lösel seinen Betrieb um den Main-Kajak-Shop und kehrte so zu den familiären Wurzeln des Bootsgeschäfts zurück. Unterstützt wird er bei dem Verkauf von Kajaks und Zubehör von seiner Frau Ruth, u.a. Deutsche Juniorenmeisterin im Rudern. Der Rudersport war mit den gemeinsamen Kindern Roland, Rüdiger und Regina über lange Jahre auch das Familienhobby. Im Wassersportverein Bürgel engagieren Rainer und Ruth sich ehrenamtlich, Rainer Lösel darüber hinaus als Kanu-Wanderwart des Bezirks Main.

 

In der Werkstatt der Bildstockstr. 1 wurde ebenfalls 2009 der Leuchtturm gefertigt, welcher heute als  Main-Turm an der Bürgeler Schiffsanlegestelle, unweit des Lösel’schen Stammdomizils, seinen Standort hat.

 

Mit Erweiterung des Main-Turms im Jahre 2018 um einen Bootsverleih für Kajaks, Kanus uns SUPs betreibt Roland Lösel nun in vierter Generation eine Firma im Bootsgewerbe, natürlich in Kooperation mit dem Main-Kajak-Shop. Und auch für die (langfristige) Zukunft gibt es Perspektiven: Generation Fünf, Lotte und Otto Lösel sind als begeistere Nachwuchspaddler bereits auf dem Main unterwegs :)

 

Weitere Bilder zum Thema historischer Bootsbau in Offenbach findet ihr in der Galerie.

 

Aufruf: Falls jemand Bilder des alten Bootshauses in der Bildstockstr. 1 aus den Jahren 1905 – 1944 in seinem Besitz hat, würden wir uns sehr über eine Kontaktaufnahme freuen. Aufgrund der Zerstörung des Gebäudes im 2. Weltkrieg stellen die veröffentlichten Bilder bereits das gesamte Firmen- und Familienarchiv aus 5 Jahrzehnten dar.